Leseproben


Aus der Neuerscheinung

PLATTGEMACHT !!!

Vorwort

Die Idee zu dieser Geschichte hatte mein verstorbener Mann. Er hat sich von mir gewünscht, dass ich sie schreibe und ich antwortete ihm, ich kann das nicht, denn zum damaligen Zeitpunkt habe ich nur Lyrik geschrieben.

Und dann, nach seinem Tod, schrieb ich die Geschichte doch. Mit einem Mal kamen die Worte wie von selbst und ich habe dabei viel an ihn gedacht.

Ich wusste zu Anfang nicht, ob ich sie jemals veröffentliche. Aber ich glaube, ich bin es ihm schuldig.


Kommissar Friedrich Stern schüttelt mit dem Kopf. So etwas hat er in seinem ganzen Berufsleben noch nicht gesehen. Vor ihm liegt ein roter Blechhaufen, der wohl mal ein Auto war. Die Marke kann man nicht mehr erkennen. Das Fahrzeug ist platt wie eine Briefmarke. Dahinter stauen sich mehrere Fahrzeuge, die aufeinander gefahren sind.

Aus dem ersten Wagen steigt ein völlig verwirrter Mann. „Herr Kommissar, ich habe keine Schuld“, stammelt er, „ich habe vor Schreck gebremst, als ich die Flunder vor mir sah und dann sind die anderen Autos auf mich drauf gefahren.“

Kommissar Stern beruhigt ihn. „Wahrscheinlich hätte jeder andere auch auf die Bremse getreten, das ist eine ganz natürliche Reaktion. Nur gut, dass keiner ernsthaft verletzt ist. Außer vielleicht der Fahrer dieses….“, er zögert und zeigt auf das flache Etwas vor ihm. „Vielleicht konnten eventuelle Insassen fliehen. Sonst hatten sie keine Chance. Es sieht aus, als ob eine Dampfwalze über den Wagen gefahren ist.“

In diesem Moment fährt ein Abschleppwagen vor und parkt an der Seite. Ein junger Mann im Overall steigt aus. „Na Chef, gibt es wieder etwas zu tun für mich?“, sagt er betont lässig. Dann sieht er auf den demolierten Wagen und wird leichenblass. „W….was ist das?“, stammelt er. „Soll ich den etwa noch abschleppen?“

Kommissar Stern antwortet ihm: „Bringen Sie diesen traurigen Rest zur kriminaltechnischen Untersuchungsstelle. Und beruhigen Sie sich, Sie haben doch sicher schon oft schwere Unfälle gesehen. Und sorgen Sie dafür, dass die anderen Wagen abgeschleppt werden, soweit sie nicht mehr fahren können.“ „Ja, ja, natürlich, ich rufe gleich in der Firma an. So etwas, nein aber auch.“ Der Fahrer ist noch immer blass. Doch langsam beruhigt er sich, steigt in seinen Wagen und lässt den Abschleppkran herunter. Dann nimmt er das Fahrzeug und hievt es vorsichtig auf seinen Anhänger. Schnell fährt er an, als sei er froh, diesem Grauen entkommen zu sein.

.........

Der Kellner bringt die Getränke. Der Cocktail schmeckt wunderbar fruchtig. „Erzählen Sie doch ein wenig von sich“, fordert Max Claudia auf. „Da gibt es nicht viel zu erzählen.“ Claudia hat kaum den Satz beendet, als ihr Handy klingelt. „Ja, bitte?“, Claudia wird blass. „Ich bin sofort da, Chef.“ Dann wählt sie auch schon den Taxiruf. „Es tut mir leid, ich muss weg.“ „Ist wieder etwas passiert?“ Ganz kann Max Hahn den Reporter nicht verleugnen. „Ich, ich… darf darüber nicht reden. Wir holen den Abend nach, versprochen.“ Dann läuft sie zur Tür und lässt einen verblüfften Max zurück. Ganz kurz zögert er. Doch er ist Reporter und von Haus aus neugierig. Er ruft den Kellner, bezahlt die Cocktails und eilt zu seinem Wagen. Sicher ist wieder etwas passiert an derselben Stelle. Claudia wird sich wohl zuerst zu Stern fahren lassen. Wenn ich mich beeile, bin ich vorher da und habe exklusive Fotos. Er weiß, dass er damit die gerade beginnende Beziehung aufs Spiel setzt, aber sein Reporterinstinkt ist stärker. Er steigt in seinen Wagen und rast los.

Kurze Zeit später hat er den Autobahnabschnitt erreicht. Er parkt das Auto ein paar Meter vorher und schleicht sich heran. „Um Gottes Willen“, weiter kommt er nicht. Mit schneeweißem Gesicht übergibt er sich mitten in die Absperrung.

„Sind Sie wahnsinnig geworden? Verschwinden Sie, aber sofort. Woher wissen Sie, was hier los ist?“ Dr. Grausig läuft wütend auf Max zu. Der wankt zu seinem Auto und fährt in rasantem Tempo davon. Nur weg, denkt er. Erst später fällt ihm ein, dass er kein Foto gemacht hat. Wenige Minuten später treffen Friedrich Stern und Claudia Braun ein. „Ah, unser junger Freund vom Abschleppdienst ist wohl schon da?“, frotzelt Stern mit Blick auf die Überreste aus Max Hahns Magen. „Nee, Stern, heute brauchen wir höchstens eine Schaufel. Aber hier hatte sich ein junger Mann angeschlichen. Doch er kann wohl nicht allzu viel vertragen. Er kam mir bekannt vor. Ich glaube, er war heute bei der Pressekonferenz.“ Stern blickt Claudia ernst an. „Haben Sie Hahn irgendetwas gesagt?“ „Nein“, beteuert Claudia, „aber wir haben gerade zusammen etwas getrunken, als Ihr Anruf kam. Und er kann wohl ein und eins zusammenzählen.“ „Ich kann Ihnen den Umgang mit diesem Reporter nicht verbieten“, entgegnet Stern, „Sie sind alt genug. Aber seien Sie bitte vorsichtig.“ Dann wendet er sich an Dr. Grausig: „Zeigen Sie uns nun die neue Bescherung?“ „Ihnen herzlich gern“, antwortet Dr. Grausig, „aber Ihrer jungen Kollegin sollten Sie den Anblick wirklich ersparen.“ Claudia dreht sich wortlos um und geht zum Wagen. Sie ist wütend auf Max Hahn, der ihr Vertrauen missbraucht hat. „Kommen Sie“, sagt Dr. Grausig und führt Kommissar Stern nach vorn. Die Stelle ist mittlerweile großflächig mit einer Plane abgedeckt. Dr. Grausig hebt sie an und Stern weiß in diesem Augenblick, dass er nie wieder ein Mettbrötchen essen wird.

 

 

Aus "Der Holzwurm in der Eichenuhr"


Der Holzwurm in der Eichenuhr

frisst seit Jahrzehnten Eiche pur.

„Jetzt hab’ ich’s satt“, denkt er, „ich suche

mir einen schönen Schrank aus Buche.“


Ein Kamel trägt einen Scheich,

ziemlich dick und ziemlich reich,

keuchend durch die Mittagshitze.

Und es denkt: „Oh, wie ich schwitze.

Verdammt, ich hab’ doch auch ’ne Würde,

warum werf’ ich nicht ab die Bürde?

Ich weiß nicht, warum ich mich quäl’.

Ach ja, ich bin schon ein Kamel.“

 


Aus "Die alte Standuhr und andere Geschichten"

Die titelgebende Geschichte ist sehr lang, darum hier nur ein kleiner Ausschnitt

Die alte Standuhr

 

Es war einmal eine alte Standuhr. Ihr ursprünglich ebenholzfarbenes Kleid aus edlem Holz war mittlerweile angegraut und verschmutzt. Sie stand in der hintersten  Ecke eines Antiquitätenladens. Niemand achtete auf sie, keiner wollte sie haben.

Dabei hatte sie wirklich schon bessere Zeiten erlebt, denn sie war schon zweihundert Jahre alt.

 Seufzend dachte sie an alte Zeiten zurück. Sie träumte:


Die müden Wanderstiefel

 

Heike nahm ihre Wanderstiefel, die ihr viele Jahre gute Dienste geleistet hatten, aus dem Schuhregal und stellte ein Paar glänzende neue in die entstandene Lücke. „Ihr habt ausgedient“, dachte sie. „Ihr seht ganz schön schäbig aus und bei der letzten Wanderung habe ich schon Angst gehabt, ich verliere einen Absatz.“ Sie gab die Stiefel in einen Beutel, um sie zum Sammelcontainer zu bringen.

Nanu?“, die Stiefel sahen sich erstaunt an. „Wieso ist es mit einem Mal so dunkel?“. Sie fürchteten sich und fassten sich ängstlich bei den Schnürsenkeln.

Kurz darauf ging Heike in die Stadt und nahm den Beutel mit den alten Stiefeln mit. Heike war nicht sehr groß und die Klappe vom Container war ziemlich hoch angebracht. Mühsam erreichte sie den Griff und schüttete den Beutel aus. Dabei übersah sie, dass die Stiefel daneben fielen. Sie packte den Beutel ein und ging fröhlich vor sich hin summend weiter.

Die Stiefel aber landeten auf dem Boden. „Wir sind frei“, riefen sie fröhlich. „Was machen wir nun?“. „Erst mal weg, noch sind wir nicht in Sicherheit“, sagte der rechte Stiefel zum linken. Dann marschierten sie schnurstracks davon. Sie gingen so schnell, wie es ging. Das hatten sie gelernt, denn Heike war eine gute Wanderin.  Immer, wenn ihnen jemand entgegen kam, versteckten sie sich.

Bald kamen sie in einen Wald. Hier war es wunderbar schattig und kühl. „Hier können wir uns ausruhen“, dachten sie. „Wir sind in unserem Leben genug gelaufen.“ Sie suchten sich ein verstecktes Plätzchen und machten es sich bequem.

Von nun an rührten sie sich nicht mehr von der Stelle und schliefen Tag und Nacht. Bald waren sie mit Moos überzogen und kaum noch vom Waldboden zu unterscheiden.

Und wer im Wald spazieren geht und ein leises Schnarchen hört, sollte schnell weitergehen und die müden Wanderstiefel nicht in ihrer Ruhe stören.


 

   Aus "So'n Schiet aber auch"

  Das Buch ist in zwei Teile gegliedert:

  So’n Schiet aber auch – Magie einer Insel

 erzählt von Hanna, die zum 60. Geburtstag allein eine Reise nach Sylt unternimmt, dorthin, wo ihr Mann ein Jahr zuvor seebestattet wurde. 

Ohne Dich – Gedanken nach dem Abschied

enthält Gedichte, in denen Hanna ihre Gefühle nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes ausdrückt.

 

 Aus dem erstem Teil des Buches "So'n Schiet aber auch"

So’n Schiet aber auch.“ Nanu, wenn Hanna nicht so traurig wäre, hätte sie laut gelacht.
Hanna hat Herrn Flethstock gerade ihre Situation und den Grund geschildert, weshalb sie nach Sylt fahren will.
Und Herr Flethstock? Üblicherweise folgen doch nun Sätze wie: „Das tut mir aber leid, mein herzliches Beileid.“ Nein, er antwortet auf typische Friesenart: „So’n Schiet aber auch.
Das macht ihr Herrn Flethstock sofort sympathisch und gibt den Ausschlag für die Buchung der kleinen Wohnung.
Doch Hanna ist unsicher. Würde sie es schaffen? Aber im vergangenen Jahr war sie so stark geworden und hatte so viele Schwierigkeiten über-wunden, dass sie sich auch für diese Reise stark genug fühlt.
Nun beginnt das Abenteuer. Denn sie ist noch nie allein verreist. Sie hatte ihren Mann sehr jung kennen gelernt und sie unternahmen Reisen stets gemeinsam.

 ..........

Dann kommt der Montagmorgen, Hans’ Geburtstag.
Hans liebte den Sturm. Schon auf seinem letzten Gang im vorigen Jahr hatte es kräftig gestürmt, so dass man sich auf dem kleinen Schiff kaum auf den Beinen halten konnte.
Zum Schluss kam eine große Welle und Hanna war von Kopf bis Fuß nass. Damals hat sie gedacht, das war ein letzter Gruß, und es hat sie sehr getröstet.
Sollte er auch diesmal wieder einen stürmischen Gruß schicken? Es sieht ganz so aus.
Vorsichtig legt Hanna die Rosenblätter in eine Tasche und begibt sich zum Blumenladen. Der kleine Rosenstrauß, den der Gärtner gebunden hat, ist wunderschön. .......

 

 

 

  Aus dem zweiten Teil des Buches "Ohne Dich"

 

 

An meinen Mann

 

 

 

 

 

Solange waren wir ein Paar,

 

 

gingen Hand in Hand.

 

 

Jetzt bist Du fort und mir wird klar:

 

 

Ich hab’ Dich nicht gekannt.

 

 

 

 

 

Du warst in uns’rer letzten Zeit

 

 

oft so empfindlich, leicht verletzt.

 

 

Es gab um Kleinigkeiten Streit.

 

 

Den Grund erkannte ich erst jetzt.

 

 

 

 

 

Du hast gelitten, hattest Schmerzen.

 

 

Doch Deine Angst trugst Du allein,

 

 

vergrubst sie tief in Deinem Herzen

 

 

und ich konnte kein Tröster sein.

 

 

 

 

 

Warum hast Du mir nie vertraut

 

 

und hast den Schmerz allein getragen?

 

 

War alles nur auf Sand gebaut?

 

 

Zu spät – ich kann Dich nicht mehr fragen.

 

 

 

 

 

Warum nur sagtest Du kein Wort

 

 

und sagtest nie, komm halte mich?

 

 

Warum nur gingst Du einfach fort?

 

 

Was mache ich jetzt ohne Dich?

 

 

 

 

 

Doch eines kann ich Dir versprechen.

 

 

Ich bleibe stark – für meinen Mann.

 

 

Ich werd’ am Kummer nicht zerbrechen

 

 

und nehm’ mein neues Leben an.

 

 


 

 

 

 

Sommerregen

 

 

 

 

 

Aus dunklen Wolken fallen Tropfen,

 

 

Regentropfen, dick und schwer.

 

 

Ich hör’ wie sie an’s Fenster klopfen.

 

 

Drinnen hält mich nun nichts mehr.

 

 

 

 

 

Und ich laufe in den Regen.

 

 

Und ich spür’ ihn im Gesicht.

 

 

Halt es freudig ihm entgegen,

 

 

so sieht man die Tränen nicht.

 

 

 

 

 

Plötzlich wie von Geisterhand

 

 

hat still der Regen sich verzogen.

 

 

Und ich schaue wie gebannt,

 

 

erblicke einen Regenbogen.  

 

 

Aus "Was wird denn hier gespielt"

 

 

 

 

Der erste Eindruck

 

 

 

 

 

Strahlend helle Lichter.

 

 

Wie schön sieht alles aus.

 

 

Freundliche Gesichter

 

 

begrüßen mich im Haus.

 

 

 

 

 

Ich reiche meinen Mantel hin.

 

 

Man lacht und freut sich, dass ich da.

 

 

Ein Schwätzchen ist meist auch noch drin.

 

 

Ich komme oft, man kennt mich ja.

 

 

 

 

 

Wenn ich den Pausensekt bestell‘,

 

 

bekomm‘ ein Lächeln ich zurück.

 

 

Die Welt strahlt gleich nochmal so hell.

 

 

Und ich bewahr‘ das kleine Glück.

 

 

 

 

 

Der erste Eindruck ist’s, der zählt,

 

 

der freundliche Empfang.

 

 

Dann weiß ich, ich hab‘ gut gewählt

 

 

und denk‘ daran noch lang.

Milly, die Theatermaus

 

 

 Es war einmal eine kleine Maus. Sie hieß Milly und lebte im Theater. Im Orchestergraben hatte sie es sich gemütlich gemacht, denn sie liebte Musik. Im Hohlraum eines Kabelschachtes hatte sie sich ein schönes Heim geschaffen. Dabei achtete Milly sorgfältig darauf, kein Kabel zu beschädigen. Ihr Bett bestand aus einem Lederschutz, den ein Geiger einmal verloren hatte. Ihre Decke war ein hübsches gesticktes Taschentuch, auch ein Fundstück. …..

 

 

 Das kleine Gespenst

 Wolfgang Amadeus Richard

 

 Das kleine Gespenst Wolfgang Amadeus Richard lebt mit seiner Mutter Constanze in einem großen Theater. Die Mutter liebt Musik und wie man unschwer erkennen kann, ist ihr Lieblingskomponist Wolfgang Amadeus Mozart, den auch schon ihre Mutter liebte.

 Aber warum heißt das kleine Gespenst  denn Wolfgang Amadeus Richard? Nun, die Antwort ist ganz einfach. Constanze hat ihren Mann, den Vater von Wolfgang Amadeus Richard, sehr geliebt und dieser verehrte wiederum Richard Wagner sehr. So kommt also ein kleines Gespenst zu einem großen Namen. Seine Mutter ruft ihn auch nie mit einer Abkürzung. „So viel Zeit muss sein“, sagt sie immer, „wenn man das Glück hat, drei schöne Namen zu haben, dann sollte man sie auch nennen.“……….


  

Die letzte Vorstellung

 

Noch einmal singt er voller Lust

von Liebe, Leid und Schmerzen.

Doch wie sieht’s aus in seiner Brust,

ganz tief in seinem Herzen?

 

Denn heut‘ verlässt er diese Stadt.

Gern wär‘ er noch geblieben.

Dort, wo man ihn gefeiert hat,

dort, wo ihn alle lieben.

 

Er hat den Abschied nicht gewollt,

ändern kann er’s nicht.

Und eine kleine Träne rollt

über sein Gesicht.

 

Dann kommt der letzte Schlussapplaus

und er verneigt sich stumm.

Doch plötzlich sieht er fröhlich aus,

lächelt ins Publikum.

 

Er hat ja schon ein neues Ziel.

Dort wird er weiter singen.

Für ihn beginnt ein neues Spiel.

Und es wird ihm gelingen.